Informationen
Ist mein Angehöriger ein Pflegefall?
Der Gesetzgeber hat die Hürden für die Leistungen der Sozialen Pflegeversicherung recht hoch gelegt: nicht jeder, der hilfe- und pflegebedürftig ist, bekommt auch deshalb Leistungen der Sozialen Pflegeversicherung. Der Gesetzgeber hat einen Katalog von sogenannten regelmäßig wiederkehrenden Verrichtungen im Ablauf des täglichen Lebens bestimmt. Die Verrichtungen der Grundpflege sind in drei Teilbereiche aufgegliedert:

1. Körperpflege:

Waschen, Duschen, Baden, die Zahnpflege, das Kämmen, Rasieren, die Darm- u. Blasenentleerung.

2. Ernährung:

Mundgerechte Zubereitung, die Aufnahme der Nahrung.

3. Mobilität:

Selbständiges Aufstehen und Zu-Bett-Gehen, An- und Auskleiden, Gehen, Stehen, Treppensteigen, das Verlassen und Wiederaufsuchen der Wohnung.
Verrichtungen der Hauswirtschaft:
Einkaufen, Kochen, Reinigen der Wohnung, Spülen, Wechseln und Waschen der Wäsche und Kleidung und das Beheizen der Wohnung. (§ 14.4 Pflegeversicherungsgesetz) Wer bei diesen Tätigkeiten aufgrund einer Krankheit oder Behinderung einen Hilfebedarf hat, ist dann pflegebedürftig im Sinne der Pflegeversicherung, wenn diese Hilfeleistung mindestens 45 Minuten für die Grundpflege am Tag in Anspruch nimmt. Hilfebedarf bedeutet, daß jemand diese Verrichtungen nicht mehr selbständig durchführen kann.

Welche Leistungen stehen mir zu ?

Ab 1. Januar 2017 gelten die folgenden Beträge für Leistungen aus der Pflegeversicherung. Die Höhe der Leistungen richtet sich nach dem ermittelten Pflegegrad.

Leistung Pflegegrad1 Pflegegrad2 Pflegegrad3 Pflegegrad4 Pflegegrad5
Pflegegeld

Pflegegeld für die häusliche Betreuung und Pflege durch Angehörige oder Freunde.
____ 316 Euro 545 Euro 728 Euro 901 Euro
Pflegesachleistung

Pflegesachleistungen sind alle pflegerischen Hilfen, die Zuhause von professionellen Kräften für ambulante Patienten geleistet werden.
___** 689 Euro 1.298 Euro 1.612 Euro 1.995 Euro
Teilstationäre Tages- und Nachtpflege

Teilstationäre Pflege bedeutet, dass ein Teil der Pflege ambulant von Angehörigen geleistet wird und der andere Teil in einer stationären Pflegeeinrichtung.
___** 689 Euro 1.298 Euro 1.612 Euro 1.995 Euro
Entlastungsbetrag (ambulant)

Ergänzungsbeitrag für die ambulanten und teilstationären Pflegeleistungen in der häuslichen Umgebung.
125 Euro 125 Euro 125 Euro 125 Euro 125 Euro
Kurzzeitpflege (pro Jahr)

Eine pflegebedürftige Person benötigt für eine begrenzte Zeit eine vollstationäre Pflege.
___** 1.612 Euro 1.612 Euro 1.612 Euro 1.612 Euro
Verhinderungspflege (pro Jahr)

Pflegebedürftige, die zu Hause von ihren Angehörigen betreut werden, erhalten Verhinderungspflege, wenn ihre Angehörigen eine Vertretung brauchen.
___ 1.612 Euro 1.612 Euro 1.612 Euro 1.612 Euro
Pflegehilfsmittel

Pflegehilfsmittel zum Verbrauch, die entweder dem Pfleger die Pflege oder dem Patienten den Alltag erleichtern.
40 Euro 40 Euro 40 Euro 40 Euro 40 Euro
Vollstationäre Pflegeleistungen

Eine pflegebedürftige Person die dauerhaft eine vollstationäre Pflege (Pflegeheim) benötigt.
125 Euro 770 Euro 1.262 Euro 1.775 Euro 2.005 Euro
Wohnumfeldverbesserung

Für die altersgerechte Wohnraumanpassung, wie z. B. den Einbau eines Treppenlifts, können Hilfsbedürftige einen Zuschuss von bis zu 4.000 Euro ihrer Pflegekasse beanspruchen.
bis zu 4.000 Euro bis zu 4.000 Euro bis zu 4.000 Euro bis zu 4.000 Euro bis zu 4.000 Euro

** Pflegebedürftige in Pflegegrad 1 können für die Finanzierung von Pflegesachleistungen, der teilstationären Tages- und Nachtpflege und der Kurzzeitpflege den Entlastungsbetrag in Höhe von 125 Euro pro Monat nutzen. Monatlich nicht vollständig ausgeschöpfte Beträge können innerhalb eines Kalenderjahres in den Folgemonate bzw. bis zum 30. Juni des Folgejahres verbraucht werden.
Wo erhalte ich einen Pflegeantrag?
Wenn Sie meinen, Sie oder Ihr Angehöriger wäre im Sinne dieser Definition pflegebedürftig, stellen Sie einen Antrag bei der Pflegekasse (identisch mit Ihrer Krankenkasse). Dies kann telefonisch oder formlos schriftlich geschehen. In der Regel bekommen Sie ein weitergehendes Antragsformular zugeschickt. Die Pflegekasse beauftragt nun den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (kurz MDK) diesen Antrag zu überprüfen. Dazu kommt ein Mitarbeiter des MDK zu einem Hausbesuch. Mit einem Pflegetagebuch, das Sie über mehrere Tage führen sollten, können Sie den vorhandenen Hilfebedarf in den einzelnen Verrichtungen festhalten. Die Mitarbeiter des MDK werden nach dem Pflegetagebuch fragen und können leichter und einfacher die Zeiten ermitteln. Viele Pflegekassen, sicherlich auch Ihre, schicken Ihnen solch ein Tagebuch mit dem Antragsformular oder auf Nachfrage zu. Der MDK schickt sein Gutachten zur Pflegekasse und die Pflegekasse entscheidet dann über den Pflegegrad. Sie bekommen die Einstufung und damit die verbundenen Leistungen ab Antragstellung (rückwirkend), auch wenn es einmal länger mit der Begutachtung oder der Bearbeitung dauert.
Unser Pflegepersonal unterstützt Sie gerne bei der Antragstellung.
In den meisten Fällen können wir mit Ihnen schon gemeinsam klären, ob ein Antrag sinnvoll ist oder nicht und welcher Pflegegrad nach den gesetzlichen Vorschriften zu erwarten wäre. Auf Wunsch sind wir bei der Begutachtung unserer Klienten dabei. Falls es einmal zu abweichenden Einschätzungen von uns und dem Gutachter des MDK kommt, können wir mit Ihnen klären, warum dies so ist und was sinnvollerweise zu tun ist.
Ihre individuelle Situation steht im Mittelpunkt der Beratung durch unsere PDL (Pflegedienstleitung).